Mario Mandzukic one shot – Wo ist… Unsere Freundschaft war schon merkwürdig. Ich prallte nicht mit ihr, warum auch. Für mich war er wirklich nur ein guter Freund. Wirklich! Ich nutze ja nie seinen Ruhm aus, wie gewisse andere Frauen. Aber schliesslich waren wir ja nur Freunde. Und würde er sich mit einer wie mir abgeben? Ich sah nicht schlecht aus, aber, ja er ist so ehrgeizig, eine Kämpfernatur. Was würde er schon von einer schwachen wie ich wollen? Céline, hör auf dich selber runter zu machen. Na und, ich habe jetzt ein Burnout, musste einen Gang runter schalten und mich krank melden. Kein Wunder bei diesem Arbeitspensum dass ich hinter mir hatte. Der Beruf Eventmanagerin war nicht gerade für Menschen mit schwachen Nerven. Besonders wenn man für Stars zuständig war. Ich liebte ihn aber, ich musste jetzt einfach eine Auszeit nehmen, die mir ehrlich gesagt auch gut tat. Und ohne meine Arbeit hätte ich Mario nie kennen gelernt. Ich betreute damals sein Team beim Supercup gegen Dortmund. Er kam frisch zu den Bayern und erzielte auch das 2:1. Ich musste mit ihm, Xherdan Shaqiri und Claudio Pizzaro warten, bis sie mit den Interviews dran kamen. Es war eine lustige Runde und wir kamen ins Gespräch. Ich hatte kein sexuelles Interesse an ihn, er benahm sich irgendwie wie ein kleiner Junge. Aber ich fand Mario auf Anhieb sympathisch und wir hatten den gleichen Humor. Da meine Eventfirma mit dem Deutschen Fussball Bund arbeitete, trafen wir uns noch öfters. Irgendwann tauschten wir die Nummern aus und blieben in Kontakt. Es war nichts verbindliches, Mario hatte damals seine Freundin. Obwohl ich sie nie getroffen habe, hatte sie keine Freude an mir. Wie konnte man es ihr übel nehmen, wir haben uns öfters mal eine SMS geschrieben, Small Talk geführt, aber nie getroffen, nicht mal telefoniert. Da hatte seine Freundin Glück, denn es gab ein Hindernis, ich lebte in Hamburg und Mario in München. Aber das war am Anfang. Wie sie von den Medien hörte, war er seit einem halben Jahr Single und er hatte dies mal beiläufig erwähnt. Da lag ich nun, in meiner Wohnung mit meinem Becher voll Eis. Ein ganzes Klischee, Single Frau, blond, alleinstehend und Katzenbesitzerin. Wo bleibt denn mein Ken? Niemand in Sicht. Mein Handy läutete. Es könnte nur mein Bruder sein, der in München wohnt, oder Mario. Ich würde mich über beides freuen. Es war aber Mario. Er war wieder mit den Bayern unterwegs. Ein kleines Ritual, seit wir uns regelmässig schreiben. Er schickt mir von seinem Hotelzimmer aus Fotos von seinen Füssen. Nicht seine nackten Füsse, Gott bewahre. Mario trug immer nur weisse Tennissocken. Und dazu eine Postkarte oder ein Souvenir der Stadt in der er war. Nicht mehr. Musste auch nicht sein, so ein Bild von ihm rettete mir immer den Tag. War wie ein kleines Rätsel. In der Bildnachricht stand meistens ein Text: „Wo ist Mario?“ Mh, mal überlegen, das Hotelzimmer sah aus wie jedes andere auf dieser Welt auch. Die Postkarte sagte mehr aus. Heute war es leicht, in grossen Lettern stand Stuttgart drauf. Ich schrieb ihm „Mario ist in Stuttgart!“ Und ich bekam noch eine Nachricht. Das war ungewöhnlich, normalerweise kam nur etwas, wenn ich die Stadt nicht erriet. Es war eine Textnachricht. „Wie geht es dir heute?“ er fragt nach meinem Befinden? Er wusste, dass ich ein Burnout hatte aber das war neu. „Heute ist ein guter Tag“ Sein Deutsch war nicht schlecht, manchmal ein kleiner Rechtschreibfehler, aber er gab sich Mühe. „Ich habe heute wieder kein Tor geschossen. Hab seit 4 Spielen eine Flaute.“ Was konnte ich drauf antworten? Das wird schon werden? Hals und Beinbruch? Ich hatte wirklich keine Ahnung wie man einen Profifussballer aufbaute, ich konnte nicht mal mich selber aufbauen. „Setz dich selber nicht unter Druck, sonst wird eh nix draus. Nimm dir vor, du widmest es jemanden, dann wird der Ball schon im Netz landen.“ „Dann widme ich mein nächstes Tor meinem persönlichen Motivator ;-) Übrigens, das nächste Spiel ist in Hamburg. Kommst du zuschauen, ich kann dir Tickets besorgen?“ Was sollte das jetzt wieder? Er war schon öfters in meiner Nähe, aber direkt eingeladen hatte er mich noch nie. Geschweige denn dass wir uns trafen. Aber ich musste mal aus meinem Schneckenhaus flüchten und das Spiel war in erst in sechs Tagen, vielleicht konnte ich mir etwas überlegen, wie ich mich wieder ausladen konnte. „Ok ich komme zuschauen, aber verlange nicht von mir, dass ich euch anfeuere, ich bin für die Heimmannschaft.“ Sie musste schmunzeln. Früher oder später hätten sie sich mal treffen sollen, ihr Bruder witzelte immer, dass wir schon längst ein Liebespaar waren, da ich fast jeden Tag eine Nachricht bekam. Stimmte das überhaupt? Ihr war das nie aufgefallen, Mario war wie etwas Selbstverständliches in ihrem Leben. Ich schaute in meinem Smartphone nach. Es gab schliesslich noch andere Menschen, die mir schrieben. Ich scrollte meine Nachrichten durch, ich drehte durch. Alle Nachrichten von Mario! Nur vereinzelt von meinem Bruder und andere Personen. Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge, jeden Tag bekam ich mehrere Nachrichten von Mario. Er machte sogar einen Socken Countdown. Die Fotos entstanden in seinem Zuhause, jedenfalls sah es nicht nach einem Hotelzimmer aus. Er malte sich die Tage auf die weissen Socken. Und ich ertappte mich dabei, wie ich lächelnd zum Telefon rannte, wenn ich eine neue Nachricht bekam. Wir schrieben über jedes Thema, was er für Musik hörte, wie der Name meiner Katze war. Wie sein Hund hiess. Unser Lieblingsessen. Es war wie Dating via SMS. Dann wurden unseren Unterhaltungen tiefgründiger, er sprach über seine Kindheit, wie er vier Jahre in Deutschland verbrachte und zurück musste. Und er baute mich auf, riss mich aus meinen Loch. Ging es mir schlecht, heiterte er mich mit seinen Witzen auf. Es hörte sich verrückt an, aber ich freute mich auf das Spiel. Ihn zu treffen. Noch einen Tag bis zum Spiel. Mario schickte mir das letzte Bild der Countdown Socken. Seine Hündin war auch mit im Bild, mit einem Schild umgehangen. Drauf stand: „Ich freu mich auf morgen! „ Ich war überwältigt, er fühlte die gleiche Vorfreude wie ich. Ich antwortete: „Ich freu mich auch. Ich wünschte, du wärst bei mir.“ Ich bereute es, als ich die SMS versande. Ich lag in meinem Bett eingekuschelt, einsam wie immer und hatte wieder mal einen melancholischen Blues. Wie dumm von mir, wir haben uns das letzte Mal vor einem Jahr gesehen. Beziehungsweise ich ihn im Fernsehen. Doch die Antwort kam promp: „Nicht mehr lange und du bist bei mir.“ Es ist der 24. Spieltag und Bayern spielte gegen den Hamburger SV. Ich war noch nie an einem Heimspiel unserer Mannschaft, geschweige denn wie unsere Spieler hiessen. Ich kannte nur die, mit denen ich zusammen arbeitete und Mario. Ich holte mein Ticket bei einen der Kassen ab, eine höhe Kategorie als ich erwartet hatte. Wo die ganzen Swags der Spieler waren. Mario hatte zwei für mich hinterlegt, dachte er sich, ich nehme jemanden mit. Meine Selbstzweifel kamen mir wieder hoch. Sehe es als erstes Date an. Ich stieg nervös die Stufen hinauf zu meinem Platz. Mario erzählte, seine Schwester sei auch dort. Ich erkannte sie von weitem, sie glich Mario sehr. Ich sass in der gleichen Reihe, aber etwa zehn Sitze voneinander entfernt. Die Familie beim ersten Date kennen zu lernen wäre ein bisschen zu voreilig. Welche Zeit war es denn? Ich sah noch keine Spieler auf dem Feld beim Einwärmen. Ich blickte auf mein Handy, gut das Spiel fing in vierzig Minuten. Ich hatte eine Bildnachricht auf meinem Smartphone. Diesmal kein Bett, kein Hotelzimmer, keine Souvenirs. Seine Fussballschuhe hatte er fotografiert. Sie waren mit etwas bestickt. „Wo ist Céline?“ Und auf dem anderen Schuh: „ Endlich bei mir.“ Ich konnte mit meinem Grinsen nicht aufhören. Was würden seine Mitspieler nur denken, wenn sie das lesen würden. Oder die Tausende Fans, die das Spiel im Fernsehen schauten, er machte schliesslich den Anstoss. Ich hob den Kopf und sah ihn direkt zu mir laufen. Oh mein Gott, wie sollte ich ihn begrüssen. Ich war gar nicht darauf gefasst, dass er vor dem Spiel zu mir kommen würde. Er winkte seiner Schwester zu und setzte sich neben meinem freien Platz neben mir. Da sass er jetzt neben mir, in ganzer Fussballmontur und mir fehlten die Worte. Wir schrieben uns jeden Tag, aber wenn wir uns begegneten, herrschte peinliches Schweigen. Aber unser Lächeln sagte mehr als jedes Wort. „So Mario, der Countdown ist vorüber. Wirst du das erste Tor schiessen?“ Er lachte auf und schaute mich mit seinen rehbraunen Augen an. Seine braunen Haare waren frisch geschnitten, das merkte ich und sie waren aufgestellt. Er hatte sich seit ich ihn das letzte Mal gesehen habe, nicht verändert. „Ich bräuchte eine kleine Motivation.“ Flüsterte er mir ins Ohr. Sein kroatischer Akzent bewirkte bei mir eine Gänsehaut. Ich küsste ihn auf seine weichen Lippen. Unsere Lippen berührten sich nur flüchtig, ich hatte Angst, seine Schwester würde uns zusehen. Doch sie war gerade mit ihrem Sohn beschäftigt. „Na, ist dass Motivation genug?“ Mario stand auf und lächelte. Er musste nach unten, zu den anderen. Er zwinkerte mir noch zu und sagte: „ Mal schauen ob jetzt meine Flaute vorbei ist.“ Ich sah ihn beim Einwärmen zu. Er war Glücklich, jedenfalls machte es mir den Eindruck. Mario blickte mehrmals zu uns rauf, entweder wegen mir oder wegen seiner Schwester. Das Spiel war spannend und die Hamburger waren stark unterlegen, gaben aber nicht auf. Bis zur 32. Minute. Da schoss Mario sein lang ersehntes Tor. Er rannte Richtung unserer Tribüne. Ich konnte ihn nicht hören, aber ich konnte von seinen Lippen ablesen: „Wo ist Céline?“ Ich musste lachen und ich errötete. „In deinem Herzen.“ Flüsterte ich und konnte es kaum erwarten, wenn das Spiel fertig war.